
Die Erzdiözese Wien geht neue Wege: Kirchen, denen die Gläubigen abhandenkommen, könnten anderen Religionsgemeinschaften überlassen werden. Zumindest bei der Kirche Neulerchenfeld passiert das nun.
Erhaltungskosten werden eingespart
Die serbisch-orthodoxe Glaubensgemeinschaft darf sich über die Kirche Neulerchenfeld freuen, wie der Sprecher der Erzdiözese, Erich Leitenberger bestätigte.
Die Glaubensgemeinschaft bekomme das Gebäude geschenkt, müsse aber ab sofort die Renovierungs- und Erhaltungskosten übernehmen. Klar sei jedoch, dass die Erzdiözese das an die Kirche angeschlossene Pfarrzentrum erhalten werde, so Leitenberger.
Die aktuelle Schenkung eines Gotteshauses an eine andere Glaubensgemeinschaft ist aber keine Premiere. Als Beispiel nannte Leitenberger die alte Lainzer Pfarrkirche, die bereits 1974 an die syrisch-orthodoxe Christengemeinde übergeben worden sei, und die Russenkirche bei der UNO-City, die nun den Koptisch-Orthodoxen gehört.
Starker orthodoxer Zuzug
Rund 200.000 Anhänger hat die serbisch-orthodoxe Kirche laut “Kurier” in Wien. Tendenziell würde die Anzahl der Gläubigen steigen.
In manchen Gegenden in Wien sei die Zahl der Katholiken vor allem aufgrund der soziologischen Veränderungen stark gesunken, bestätigte auch Leitenberger. Dagegen habe es einen starken orthodoxen Zuzug gegeben, da würden Kirchen dringend gebraucht.
Details zur Übergabe noch Verhandlungssache
Die genaue Übergabe der Neulerchenfelder Kirche muss laut Leitenberger noch besprochen werden. Er verwies darauf, dass auch die Übergabe der Kirche Maria vom Siege in der Nähe des Westbahnhofes vor kurzem am Denkmalschutz gescheitert sei. So hätte für die orthodoxen Gottesdienste eine Trennwand zwischen Altar und Kirchenschiff errichtet werden müssen, Ikonen wären angebracht, Statuen entfernt worden.
Derartige Eingriffe in das neogotische Gesamtkunstwerk wären mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar gewesen. Zudem bestehe dort ein sehr vitaler Pfarrgemeinderat, der mit der Errichtung des neuen Stadtviertels am Westbahnhof noch weiteren Zulauf erhalten sollte.
“Frisches” Geld zur Kostendeckung?
Mit den steigenden Kirchenaustritten aufgrund der vergangenen Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche haben die neuen Maßnahmen laut Leitenberger nichts zu tun. Die Entschädigungszahlungen werden der katholischen Kirche zwar mehrere Millionen Euro kosten, das sei aber nicht der Grund dafür.
Konkrete Projekte für weitere Schenkungen gibt es zumindest laut Lautenberger nicht. Ausschließen wollte er diese aber nicht.
Quelle: ORF Wien























